Unser Nervensystem im Reitsport: Warum dieses Thema immer wichtiger wird
- Agnes

- 5. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Juni
Warum wir im Reitsport über alles sprechen – nur nicht über unser Nervensystem
Wenn wir im Reitsport vor Herausforderungen stehen, suchen wir die Ursache oft zuerst im Außen. Wir nehmen Reitstunden, kaufen einen neuen Sattel und trainieren das Pferd.
Und manchmal verbringen wir Monate oder sogar Jahre damit, nach einer Lösung zu suchen, ohne zu merken, dass wir einen entscheidenden Faktor komplett übersehen: Uns selbst. Genauer gesagt: unser Nervensystem.
In diesem Artikel erfährst du, was Nervensystemarbeit im Reitsport eigentlich bedeutet, warum sie weit mehr betrifft als nur Reitangst und wie sie die Verbindung zu deinem Pferd, deinen Sitz und dein gesamtes Reitgefühl beeinflussen kann.
Was ist das Nervensystem überhaupt?
Das Nervensystem ist vereinfacht gesagt die Schaltzentrale unseres Körpers. Es entscheidet in jeder Sekunde darüber, ob wir uns sicher fühlen oder ob unser Körper Gefahr wahrnimmt. Das Spannende daran ist: Unser Nervensystem unterscheidet nicht immer zwischen tatsächlicher Gefahr und einer Situation, die uns lediglich an eine frühere Erfahrung erinnert.
Vielleicht kennst du folgendes Szeanrio: Du sitzt auf einem völlig artigen Pferd und trotzdem spürst du plötzlich Anspannung. Dein Herz schlägt schneller, du ziehst deine Schultern unbewusst nach oben und spürst innerliche Spannung. Aber eigentlich gibt es objektiv gar keinen Grund dafür. Dennoch reagiert dein Körper. Aber warum? Nein, nicht weil du "schwach" bist und auch nicht weil du etwas falsch gemacht hast. Sondern weil dein Nervensystem versucht, dich zu schützen.
Warum dieses Thema im Reitsport so relevant ist
Pferde sind Meister darin, Körpersprache zu lesen. Sie reagieren auf feinste Veränderungen in unserer Haltung, unserer Muskelspannung und unserer Atmung. Genau deshalb können wir unsere innere Anspannung oft nicht einfach verstecken, denn Pferde spüren sie längst. Und damit meine ich nicht, dass Pferde Gedanken lesen können. Aber sie nehmen wahr, wenn unser Körper unter Spannung steht und wenn wir innerlich nicht mehr präsent sind.
Deshalb beobachten viele Reiter Situationen wie diese: Das Pferd wirkt plötzlich nervös und wird hektischer.
Oder man selbst fühlt sich im Sattel zunehmend unsicher. Oft beginnt dann eine Art Kreislauf. Wir werden angespannter und das Pferd reagiert darauf. Wir neigen dann dazu, diese Reaktion als Bestätigung unserer Unsicherheit zu interpretieren. Und schwupps....die Anspannung steigt weiter und weiter und weiter...
Reitangst ist nur die Spitze des Eisbergs
Wenn Menschen an Nervensystemarbeit denken, verbinden sie das häufig direkt mit Reitangst. Und natürlich spielt das Nervensystem dort eine große Rolle.
Doch eigentlich betrifft dieses Thema viel mehr Reiter. Auch diejenigen, die sich selbst gar nicht als ängstlich beschreiben würden.
Denn ein dysreguliertes Nervensystem kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Manche Menschen werden besonders kontrollierend, andere perfektionistisch. Wieder andere spüren ständig Druck oder Frustration. Manche klammern unbewusst mit den Beinen. Viele dieser Muster entstehen nicht bewusst und machen dich als Reiter oder Reiterin nicht zu einem schlechteren Pferdemenschen. Jedoch sind diese Strategien unseres Körpers, um Sicherheit herzustellen. Und genau deshalb bringt es oft wenig, nur an der Oberfläche zu arbeiten.
Warum Yoga, Nervensystemarbeit und Reiten so gut zusammenpassen
Genau hier kommt Yoga ins Spiel. Und nein, nicht weil Yoga uns automatisch entspannt macht, sondern weil Yoga uns hilft, unseren Körper wieder wahrzunehmen. Viele Menschen leben fast ausschließlich im Kopf: Wir analysieren, planen, bewerten und kontrollieren.
Yoga lädt uns ein, wieder in den Körper zurückzukehren. Durch bewusste Bewegung, Achtsamkeit und vor allem durch das Wahrnehmen dessen, was gerade da ist: Das Hier und Jetzt.
Und genau dadurch kann unser Nervensystem lernen: Ich bin sicher.
Für viele Reiter ist das eine völlig neue Erfahrung. Denn Sicherheit wird häufig im Außen gesucht: Im perfekten Pferd, im perfekten Training, im ständigen Kontrollieren. Doch echte Sicherheit entsteht immer zuerst im Inneren.
Was sich verändert, wenn wir unser Nervensystem verstehen
Das Schöne an Nervensystemarbeit ist, dass sie nicht nur unser Reiten verändert und unser Reitersitz verbessert wird.
Sie verändert oft unseren gesamten Alltag. Viele Reiter berichten davon, dass sie nicht nur geduldiger, sondern auch fröhlicher werden und weniger impulsiv reagieren. Und vor allem können sie Herausforderungen gelassener begegnen. Und das brauchen wir doch als Reiter und Reiterinnen ganz besonders, oder? ;)
Und plötzlich verändert sich auch die Beziehung zum Pferd. Denn je sicherer wir uns selbst fühlen, desto mehr Sicherheit können wir auch ausstrahlen.
Warum dieses Thema die Zukunft des Reitsports sein könnte
Ich glaube, dass wir im Reitsport in den kommenden Jahren viel mehr über Nervensysteme sprechen werden. Nicht weil es ein Trend ist, sondern weil es etwas erklärt, das viele Menschen intuitiv bereits spüren. Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd besteht nicht nur aus Technik und Hilfen. Sie besteht auch aus Emotionen, Körpersprache und unserem inneren Zustand. Und dieses Bewusstsein wird unter Reitern immer größer.
Vielleicht liegt die Antwort nicht im Außen
Viele Reiter verbringen Jahre damit, nach der perfekten Lösung für Herausforderungen zu suchen. Jedoch, liegt die größte Veränderung häufig an einem Ort, den wir lange übersehen haben: In unserem eigenen Körper.
Nervensystemarbeit bedeutet nicht, dass wir nie wieder Angst haben oder immer entspannt sind. Sie bedeutet, dass wir lernen, uns selbst besser zu verstehen. Und vielleicht ist genau das einer der wertvollsten Wege, um nicht nur entspannter zu reiten, sondern auch die Verbindung zu unserem Pferd auf einer tieferen Ebene zu erleben.
Du möchtest lernen, wie Yoga und Nervensystemarbeit dein Reiten verändern können?
In meinem 1:1 Coaching begleite ich Reiter dabei, mehr Sicherheit, Körperbewusstsein und Gelassenheit im Alltag und im Sattel zu entwickeln.
Gemeinsam schauen wir, welche Muster dich aktuell beeinflussen und wie du durch Yoga und Nervensystemarbeit wieder mehr Leichtigkeit in dein Leben und Reiten bringen kannst.





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